Der Sinn des Lebens im Alter.

Der Sinn des Lebens im Alter.

Das Alter ist da, nicht wahr?
Aber wer sagt, dass Alter
und Langeweile zusammengehören müssen?

Wer sagt, dass Alter und Verlassen sein zusammengehören müssen?
Wer sagt, dass Alter und Desinteresse zusammen gehören müssen?

Im Alter verlangsamt sich der Schritt.
Deswegen beinhaltet es die Chance,
mehr im Kleinen wahrzunehmen.

Im Alter hat der Mensch mehr Erfahrungen hinter sich als vor sich.
Deshalb ist es die Chance, Frieden zu machen mit dem,
was nicht mehr zu ändern ist.

Im Alter zeigt sich durch Krankheiten,
was unerträgliche Lasten verursacht hat.

Warum dies nicht mit Frieden tragen,
wie ein Veteran mit innerer Würde seine Narben trägt,
die seine Kämpfe ihn schlugen?

Das Alter ist nicht sinnlos, ganz im Gegenteil!
Es ist Wandlungszeit und in seinem Wert der Pubertät ebenbürtig,
wenn nicht sogar überlegen.

Ich bitte den Guide von Rüdiger um Kontakt.
Rüdiger wünscht sich sein Wort an ihn.

Wieder bin ich in der wundervollen Bergwelt.
Ein kleiner, ummauerter Platz, ein junger Baum, der frische Knospen trägt.
Die Vögel singen.
Weit entfernt ist das Getriebe eines bewohnten Ortes,
den ich allerdings nicht sehen kann, weil er hinter mir liegen muss.

Die Sicht ist abgeschirmt durch das große Gebäude-Ensemble eines Klosters,
aus dem der schöne und beruhigende Klang singender Männerstimmen
zu mir getragen wird.

Tsenzin. Guten Morgen, liebe Frau.

Uta. Guten Morgen, Tsenzin.
Rüdiger sehnt sich nach deinem Wort für ihn, er hat aber keine besonderen Fragen.

Tsenzin lacht. Oh, das hätte er hier wagen sollen!
Ich hätte ihm gesagt: Dann komm wieder, wenn du Antworten suchst.

Aber ich weiß schon.
Es geht nicht darum, Kleines zu verstehen, es geht ums Große.
Uta, weißt du, was das Große ist?

Uta. Sich selbst sein in Gott und in allem, was ist?

Tsenzin lacht wieder. Ja, in der Tat, aber was ist das? Hm?
Kannst du es mir beantworten?

Uta. Ach… ich bin nur ein Mensch und habe die eine oder andere Idee dazu.

Tsenzin. Hast du auch das ein oder andere Gefühl dazu?

Uta. Eine Erinnerung habe ich…

Tsenzin. Erzähle sie!

Uta. Es ist Jahrzehnte her, ich hatte eine sehr schwere Entscheidung zu treffen.
Es ging darum, über das Schicksal der drei neu geborenen Kätzchen zu entscheiden,
die von der Katzenmutter nicht versorgt wurden.

Eines konnte ich durchbringen, aber Drei aufgrund unserer Lebenssituation nicht.
Und wo ich auch Hilfe suchte, ich fand keine.
Schließlich war meine letzte Hoffnung eine Gruppe gutherziger Menschen, die ich aus meiner kirchlichen Arbeit regelmäßig traf.
So sicher ich war, ihr Herz berühren zu können, so enttäuscht
und verzweifelt war ich nach dem Treffen.

Mein Rückweg führte am Waldrand vorbei, es war ein schöner Sommerabend.
Kaum betrat ich den Waldweg, ging plötzlich ein kleiner Fuchs neben mir her.
Es war so eigenartig.

Ich weinte immer noch und war so voller Schmerz.
Aber der kleine Kerl wich nicht von meiner Seite.
Je weiter er mich begleitete, um so größer wurde meine Sorge,
dass der mir nun vielleicht auch bis nach Hause folgen würde.

So wie es die kleine Wildkatze getan hatte, die mir inzwischen ihre drei kleinen Kindlein vor die Tür gelegt hatte.

Ich hatte richtig Angst.
Angst und Trauer und Enttäuschung und tiefe Ratlosigkeit vermischten sich so sehr,
dass ich mich erschöpft auf einer Bank am Waldrand hinsetzte.

Zu meinem Erstaunen sprang der kleine Fuchs hoch und setzte sich neben mich,
und zwar ganz eng.

Ich konnte seine Wärme spüren und seinen seltsamen Duft nach Wildnis.

Er saß ganz still neben mir und schaute wie ich hinunter ins Tal,
über dem es langsam dunkel wurde.

Ich spürte ihn atmen und ich fühlte ihn und wusste einfach:
Er weiß, was vorgeht…

Minutenlang ging das so und plötzlich fühlte ich etwas.

Der Fuchs, das Tal, die Menschen da unten, die Berge, der Wald hinter mir,
der Himmel über mir und ich in meiner Ratlosigkeit:

Das ist alles EINS!
Was immer ich entscheide, es gehört zum EINEN.
Es war Frieden in mir und um mich.
Tiefe Ruhe.
Ich kann nicht in Worten beschreiben, was das für ein Moment war.
Ein Augenblick absoluter Klarheit.
Was immer kommt, es IST gut.

Kurz darauf sprang der Fuchs von der Bank und verschwand im Wald.

Tsenzin. Ja!
Dann weißt du, was ich meine, Uta.
Das EINS sein ist die Antwort, die wahr ist auf JEDE Frage.
Das EINS sein ist das Größte, was zu erreichen ist.

Uta. Ja, aber es hielt nicht an.

Tsenzin. Nein, es kann nicht anhalten, solange ihr lebt.
Aber auch euer Abgetrennt sein gehört zum EINEN.

Ihr braucht diese Wahrnehmung der Trennung, um euch weiter zu entfalten.
Ihr braucht die Erfahrung von Anstrengung und das Streben,
sie zu überwinden, auszuhalten.

Hemmungen und Siege müssen erfahren werden,
um euren Platz im EINEN neu zu definieren.

Das ist nicht nur unvermeidlich.
Es ist auch der wahre Grund, warum ihr inkarniert.

Ihr seid TEIL des EINEN!
Und es ist das Wichtigste überhaupt für euch,
dass ihr euren Teil lebt, fühlt und wisst.
Dass ihr euren TEIL endlich annehmen könnt.

Die Geschichte von Adam und Eva ist natürlich nur ein Gleichnis
für die Entfremdung des Menschen vom ALL EINEN.

Aber sie ist voller Weisheit, wenn man sie zu lesen versteht.

Vergessen wir einmal die „Böse Schlange“, die Eva „verführt“.
Vergessen wir, dass die „böse Eva“ den Adam verführt.
Das ist untaugliches Weltbild Gefasel!
Gehen wir auf den Punkt der Geschichte.

Das ALL EINE – GOTT – hat Adam und Eva ihren PLATZ im ALL EINEN gegeben
und sie schämen sich dafür!

Sie schämen sich dafür, weil sie sind, WAS sie sind.

DAS ist der Augenblick der Entfremdung, der Spaltung vom EINEN.
Sozusagen die Vertreibung aus dem Paradies.

Uta. So, wie wir SIND, gehören wir dazu?

Tsenzin. So, wie ihr seid, ja.
Alles, was ihr seid, WIRKLICH ALLES! ist Teil des Ganzen.

Und es bedarf nicht der Scham darüber, sondern des Wissens,
dass selbst eure Mängel, eure Bedürftigkeiten TEIL sind.

Hat dich das Erlebnis mit dem Fuchs verändert?

Uta. Ja, ich wusste, ich bin willkommen, auch wenn ich schwach bin.

Tsenzin. Wo willkommen?

Uta. Im Dasein!

Tsenzin. Ja, genau!
Und dieses Bewusstsein hat dir niemand wieder genommen?

Uta. Nein, aber es wurde vielfach versucht.
Manches Mal wäre ich fast wieder in die Verzweiflung geraten,
nicht „genügend“ zu sein.
Aber letztlich bin ich immer wieder in diese Gewissheit gekommen.

Tsenzin. Man nennt das Erleuchtung.
Oh, wie haben wir uns im Kloster hier angestrengt, zur Erleuchtung zu kommen.

Wie alle großen Religionen waren auch wir der Ansicht:
Um diesen Zustand des tiefen Friedens zu erlangen,
müsste man enorme Anstrengungen auf sich nehmen.

Und wie alle diese Religionen glaubten wir daran, dass wir Opfer zu bringen hatten.
Wir hatten zu lernen, auf alles Weltliche zu verzichten.
Wir hatten zu lernen, auf alles Körperliche zu verzichten.
Und wir hatten zu lernen, auf unseren gesunden Menschenverstand zu verzichten.
Wir hatten zu lernen, auf alle unsere psychischen Grundbedürfnisse zu verzichten.

Und weil wir uns diesen Zwängen unterwarfen, waren wir Heilige,
während das „gemeine Volk“ weit unter uns stand.

Aber sowohl uns als auch die weltlich eingestellten Menschen unserer Region
teilten ein Grundbewusstsein: SCHAM.

Die Scham darüber, dass wir menschlich waren.
Alle Religionen, alle Wertesysteme verursachen eins: SCHAM. 

Die SCHAM des Menschen über sein wahres so Sein ist die berühmte „Erbsünde“.

Aber jeder Mensch ist Teil und ist willkommen.
Niemand kommt als jemand zu Welt, dessen er sich zu schämen hätte.

Aber jeder von euch kommt in einer Welt in seine Inkarnation,
die ver – rückt ist.
Die vom ALL EINEN weg gerückt ist mit ihren Ideen der Scham
und der Schamvermeidung.

In einem jeden Menschen liegt Gottes Funke.
Von Beginn seiner Inkarnation an ist er Träger eines TEILES von Gott.

Nie wird der Einzelne „WIE GOTT“ sein.
Denn der ist ALLES, WAS IST.
Aber ein jeder hat / ist Teil.

Doch dann kommen die Außenwirkungen:
Die Beschämungs-Mühle beginnt, zu mahlen und zu mahlen.
Aber selbst die ist TEIL der Entwicklung.

Gott wird unterschätzt!
Wie absurd, anzunehmen, ihm wäre es eine erschütternde Erkenntnis,
dass ihr nur TEILWEISE sein könnt wie er!
Er ist es nicht, der von euch fordert, was ihr nicht leisten könnt.

Das seid ihr und es ist euer Weg damit, in den Frieden zu kommen.
Ihr seid, was ihr seid: MENSCHEN, begabt in vielerlei Hinsicht.
Aber auch ebenso unfähig in vielerlei Hinsicht.
Ein jeder Einzelne wie auch das ganze Kollektiv.

So absurd es mir ist, darauf aufmerksam zu machen:
Aber die Situation ist die, als würde sich eine Vase darüber beklagen,
kein Stuhl werden zu können.

Ein Mensch kann nicht Gott werden.
Er wird NIE sich auch nur dem ALL EINEN annähern können,
solange er sich müht, ÜBERMENSCHLICH zu werden.

Es gibt keinen STANDARD, der für ALLE Menschen gilt.

Es gibt nur zwei Grundgaben, die in jedem seit der Geburt liegen:
Das Bedürfnis, in friedvoller Gemeinschaft für einander da zu sein.
Und das Bedürfnis nach persönlichem Wohl sein.

Das sind die beiden menschlichen Grundstrebungen,
die sich überhaupt nicht vom Tierreich unterscheiden.
Jedenfalls, was die weiter entwickelten Tiere angeht.

Was euch unterscheidet, ist der Geist.
Geistig seid ihr in der Lage, das Vergangene aufzubewahren
 und euch in eure eigene Vergangenheit zurückzuversetzen.
Und geistig seid ihr in der Lage, euch in eure Zukunft zu versetzen.
Das könnt ihr in solch einem Ausmaß, dass ihr dabei das Jetzt nicht mehr beachtet.

Ihr habt einen Geist, der ständig wertet: das Vergangene, das Zukünftige.

Das ist auch Teil.
Und aus diesem Teil heraus hat jeder Einzelne und das Kollektiv Verantwortung.
Eine ganz natürliche Verantwortung.
So wie dein Füchslein in seinem Leben die natürliche Verantwortung hatte,
Mäuse zu erlegen, um sie nicht überhand nehmen zu lassen.

Was euch also von den Tieren unterscheidet, ist eure Verantwortung,
die aus eurer Verstandeskraft kommt.
Die Sache ist nur die: Dieser Verstand ist VER-RÜCKT!

In dem Moment, in dem der Mensch SCHAM über sein SO SEIN zu einem System entwickelte, zersplitterte das Paradies.

Ein zersplitterter Verstand kann keine paradiesischen Zustände hervorbringen.
Denn er sagt nicht mehr, was wahr ist, sondern er führt zu Täuschungsversuchen.

Als Adam und Eva erkannten, dass sie nackt sind wie die Tiere,
hatten sie zwei Möglichkeiten.
Dies freudig zu akzeptieren: Denn nackt sein bedeutet doch auch,
bedürftig zu sein und Hilfe zu bekommen von dem,
was größer ist als die eigene „Nacktheit“.
Oder sie konnten sich dafür SCHÄMEN, bedürftig zu sein!

Diese Scham kommt aus dem Stolz:
WIE GOTT ZU SEIN UND ZU WISSEN, WAS GUT UND BÖSE IST.
Aber niemand weiß, was gut und böse ist, WIE Gott es weiß.

Adams und Evas Verstand wurden also VER-RÜCKT.
Die Menschheit rückte vom ALL EINEN ab.
Beide schämten sich ihrer Nacktheit und verdeckten sie vor Gott mit Feigenblättern.

Ja, wenn das nicht völlig verrückt ist!
Den eigenen Urgrund, den Schöpfer der eigenen Existenz
und des eigenen SO SEINS täuschen zu wollen!

Aber selbst dies Abgleiten in die Ver-Rücktheit gehört zum ALL EINEN.
Jede einzelne Seele wird sich aus der verrückten Scham,
die einem wahnhaften Anspruch folgt – nämlich SELBST das ALL EINE zu sein – heraus entwickeln.

Bis irgendwann die Erleuchtung kommt:
Wie ich bin, bin ich willkommen im GANZEN SEIN.

Die Konsequenz dieser Erkenntnis ist ein Gefühl,
das verwoben ist mit tiefstem Wissen.
Alles IST schon perfekt!
Alles, was IST, ist liebenswert.

Ja: Es geht um LIEBE.
Was ist LIEBE?
Die Bereitschaft, sich emotional einzulassen.
Auf alles, was ist.
Alles, was war, alles, was sein kann?
Auch, ja auch das sogar.

Dann gibt es kein „Sinnlos“ mehr für den, der dies als Wahrheit hat.
Es öffnen sich dem – der so mit seinem Geist die Wahrheit des Seins
zu erfassen versucht – ungeheure Weiten und Tiefen.

Ist das schwer?
Nein, es ist genau der Bewusstseinsstand, den ihr von Beginn an hattet:
Ihr werdet, die ihr wart.
Aber mit der Erweiterung der Erfahrung, wie gefährlich Wahnsinn ist,
der dazu treibt, mehr oder weniger sein zu wollen als ihr eurer Natur nach seid.

Abschließend nun einige Worte direkt an dich, lieber Rüdiger.

Du BIST nicht der, der du bist.
Und damit liegst du ganz einfach innerhalb der Entwicklung der Menschen.

Es wirken in dir die wahren Kräfte aus deiner Einigkeit mit Gott,
aber auch der Wahnsinn der Scham, zu sein, wie du bist.
Leg doch diese Scham der Welt zur Seite.

Das Alter ist da, nicht wahr?
Aber wer sagt, dass Alter und Langeweile zusammengehören müssen?
Wer sagt, dass Alter und Verlassen sein zusammengehören müssen?
Wer sagt, dass Alter und Desinteresse zusammen gehören müssen?

Im Alter verlangsamt sich der Schritt.
Deswegen beinhaltet es die Chance, mehr im Kleinen wahrzunehmen.

Im Alter hat der Mensch mehr Erfahrungen hinter sich als vor sich.
Deshalb ist es die Chance, Frieden zu machen mit dem, was nicht mehr zu ändern ist.

Im Alter zeigt sich durch Krankheiten, was unerträgliche Lasten verursacht hat.
Warum dies nicht mit Frieden tragen, wie ein Veteran mit innerer Würde seine Narben trägt, die seine Kämpfe ihn schlugen?

Das Alter ist nicht sinnlos, ganz im Gegenteil!
Es ist Wandlungszeit und in seinem Wert der Pubertät ebenbürtig,
wenn nicht sogar überlegen.

Oh ja, ja, es IST wie eine Gesteinsmühle!
Die einen kommen heraus als Sand, die anderen als Diamanten.

Es beginnt jetzt: dein Alter.
Warum es NICHT willkommen heißen?

Aber, lieber alter Freund, bedenke, dass jeder lebende Mensch
einem Wahnsinn anheim gefallen ist:

DAS Alter gibt es nicht!
Nein!
So wenig, wie es DAS Leben gibt.

Folgst du dieser verallgemeinernden Richtung, musst du doch in die Irre gehen.

Was ist denn deiner Gesellschaft das Alter?
Was war deinen Eltern und Großeltern das Alter?
Nun, ich würde meinen, es war in erster Linie eine beschämende Situation.

Was wird suggeriert in der Gesellschaft?
Dass Alter Last ist?
Ja!
Und dass jeder SELBST verantwortlich dafür ist, dieser Last,
solange es geht, zu entkommen.
Wie soll das sein?

Schau dich nur um: Schau dir die Männer und Frauen deines Alters an.
Die Einen mühen sich ab damit, jünger zu sein, als sie sind.

So viele Feigenblätter, wie es bräuchte, um die Scham vor dem Alt sein zu verdecken, hätte das ganze Paradies nicht.

Aber ganze Industrien leben von dieser Scham!
Da wird der Körper bis zur Grenzen des Zuträglichen malträtiert.
Da wird gefärbt und die Chirurgie bemüht.
Da wird alles aufgefahren, was die Täuschungsindustrie zu bieten hat.
Und alles, was die Finanzen ermöglichen, eingesetzt,
um von BEEINDRUCKENDER Jugendlichkeit TROTZ Alter zu zeugen.

Beeindruckung löst Druck aus.
Und was, wenn es nicht gelingt?
Täuschende Kräfte sich selbst und anderen vorzugaukeln?
Na, dann kommt Scham.

So kann freilich jeder Morgen der erste Blick in den Spiegel
der erste Moment mit der Beschämung zu tun haben, zu altern.

Verrückt? Ja!

Und es gibt die andere Seite.
Das sind die Menschen, die sich in die Resignation begeben.

Ich bin alt und vermutlich werde ich noch älter und das bedeutet:
Ich bin sowieso nichts mehr Wert.
Was immer jetzt ist und noch kommt: Es wird sinnloser und sinnloser und sinnloser.

Sie schauen zurück auf ihr Leben und kommen über den Verlust ihrer Bedeutung DAMALS nicht hinweg.

Was immer sie für ihren Lebenssinn hielten, der ist unwiederbringlich vorbei,
weil er an Kraft, Jugend und Macht gekoppelt war.

Der Arbeiter, der seinen Lebenssinn darin sah,
treu seine Pflicht gegenüber Arbeitgeber und Familie zu tun.
Genauso wie der Herr Professor, der seinen Lebenssinn darin sah,
Studenten sein Wissen zu vermitteln.
Dem raubt das Alter diese gesellschaftliche Funktion.
Was kommt?
Scham!
Scham über die vermeintliche Funktionslosigkeit.

Sieh dich nur um:
all diese resignierten, verbitterten Mitmenschen deines Alters.
Sie klagen und klagen und klagen, bis sie sich in die Demenz geklagt haben.
Die dann wenigstens zulässt, dass der ewig murrende Verstand nicht mehr versteht.

Die Medizin soll es richten: Tabletten gegen dies, Tabletten gegen jenes…
Aber wer hätte je davon gehört, dass es eine Medizin gegen Sinnlosigkeit gibt?

Warum tun sich beide Gruppen dies an?
Weil sie daran glauben, was sie über DAS Altern gelernt haben:
Es ist FURCHTBAR!

Ist es das?
Sinnlos?
Nein, nein!
Nur wenn du dein Altern NICHT willkommen heißt,
dann ist es das, dann wird es das.

Ich will dich ermutigen, lieber Rüdiger, diese neue Lebensphase als das zu sehen,
was sie IST.

Neues kommt auf dich zu, deine Wirkung liegt nicht mehr in erster Linie im Nützlich sein, sondern im SEIN.

Wer weniger Zukunft hat als Vergangenheit, der tut klug daran,
jeden Tag freundlich willkommen zu heißen,
jedes kleine Blümchen am Wegrand als beglückend zu empfinden.
Der ist so weise, wenn er alles, was war, wohlwollend abschließt und sich dem öffnet, was einmal ganz am Beginn des Lebens selbstverständlich war:
IM JETZT zu sein.

Ein Kind denkt nicht an gestern und auch nicht an morgen.
Es hat gar keine zeitliche Vorstellungskraft!
Genau das macht diese liebenswerte Lebendigkeit der Kleinkinder aus.
Sie sind immer wahrhaftig und immer ganz im Jetzt.

Wenn ein alter Mensch dieses wieder tut, dann,
weil er die Weisheit der Schöpfung erkennt.
Er hat gelernt, dass alles, was zählt, JETZT ist.

Sein Gestern ist vorbei!
Er trägt die Folgen, aber ändern kann er die Vergangenheit nicht.
Er kann sie betrachten, die immer wieder kehrenden Zyklen erkennen
und so sich selbst wieder entdecken.
Was hat mich beglückt, was habe ich bewirkt?

Das, was gut war, dafür will ich mich loben und lieben.
Das, was nicht gut war, das will ich betrachten
und daraus mehr Wissen über mich sammeln.

Über meine Grenzen, meine Täuschungen, meine Defizite,
meine wahren Bedürfnisse.
Was erzählt mir mein Lebensweg, der hinter mir liegt, über mich?

Dein Lebensweg.
Du warst nie für deinen Weg da, sondern der Weg war immer für dich da!
Alles, was du erlebt hast – Gewinn wie Verlust, Sieg wie Niederlage, Trauer wie Freude – es war immer ALLES für dich da!

Damit du dich findest, schamlos erkennst, was dein Teil in ALLEM ist.
Schamlos meint nicht reuelos.
Selbstverständlich gibt es im Rückblick eines jeden Lebens Dinge,
die zu bereuen sind.
Aber das Alter dient nicht der Beschämung, sondern der Belehrung.

Du hast natürlich Fehler gemacht, was denn sonst?
Das ist gar keine Frage!
Aber was zu ergründen ist, sind die wahren und tiefen! Ursachen.

Nein, nein, nicht die oberflächlichen, sich selbst beschämenden Ursachen helfen,
Mängel in Kräfte zu verwandeln.

Ach was!

Warum wurde ich anders, als ich als Kind war?
Das muss ergründet werden.
Denn dieses Zurückschauen und Verständnis gewinnen bedeutet –
sofern es ohne Beschämung stattfindet – mit völlig neuen Erkenntnissen in die nächste Inkarnation zu gehen.

Ihr erwartet nach dem Tod die große Bewusstseinserweiterung?
Nun. Das kann durchaus teilweise geschehen.

Aber das Jenseits ist nicht in der Lage, eure Unwahrheiten zu verändern.
Das Jenseits ist jedem genau das, was ihm das Diesseits
Zeit seines Lebens wahr gewesen ist.

Das Alter ist also eine Chance, seine Wahrheiten von den Täuschungen
der weltlichen Meinungen zu befreien.

Die Feigenblätter loszulassen, um sich zu sehen,
wie man IST in WAHRHEIT vor Gott.

Eine Menschenseele ist dann wieder im Paradies,
wenn sie ihre „Nacktheit“ vor Gott fröhlich annimmt.
Ich bin, wie ich bin.
Ich bin Teil von dir und in mir wohnst du, lebst du, wirkst du.

Nicht ich weiß, wer ich sein sollte.
Sondern ich bin, wie ich dir bin, willkommen.

Es ist die Zeit, lieber Freund, die du nun nutzen darfst,
damit dein Weg dich lehrt, zu sein, wer und wie du bist.

Im Altern macht es keinen Sinn mehr, weit entfernte Zukünfte anzuvisieren.

Vielleicht ist der Weg noch weit, weit …
Vielleicht auch nicht.

Jeder hat seine Zeit auf Erden.
Aber jenseits der Sechzig ist es, wie es ist:
Der Weg hinter einem ist länger als der vor einem.

Mit Dreißig zu planen, wie und welches Leben man mit Sechzig zu führen gedenkt,
ist statisch betrachtet sinnvoll.

Aber mit Sechzig zu planen, wie das Leben mit Neunzig sein wird,
ist statistisch betrachtet ziemlich wahn-gefährdet.

Mit Dreißig darf man Dinge noch verschieben, die man zu tun oder zu lassen wünscht, mit Sechzig ist das riskant.

Im Alter ist ein jeder Tag die Aufgabe, die es auszufüllen gilt.
Und es ist jeder Tag so zu nutzen, als gäbe es den morgigen Tag nicht.
Wer in dieser inneren Haltung altert, der ist sehr lebendig,
vielleicht sogar lebendiger als in seinen jungen Jahren.

Wenn sich dein Schritt verlangsamt, dann begrüße es als Chance,
mehr aus jedem einzelnen Schritt heraus zu holen.

Wenn sich dein Appetit mäßigt, dann begrüße jeden Bissen,
der dir willkommen ist.

Wenn dein Augenlicht sich trübt, dann erfreue dich an dem,
was deine Augen Schönes sehen dürfen.

Wenn deine Ohren weniger hören, dann sei sorgfältig damit,
was du ihnen zu hören gibst.

Sorgfalt und Achtsamkeit im Alltäglichen sind der Wagen,
der dich durch ein schönes Altern führen kann.

Altern DÜRFEN!
Was für ein schöner Weg, der wegen dir bereitet wurde.

Damit verabschiede ich mich.

Ich wünsche dir Weisheit!

Die Weisheit, dem, was ist und dem, was kommt, mit Freude zu begegnen.

Dein dich liebender Freund im Jenseits!