Im Leben müssen wir so manche Herausforderung akzeptieren.

Im Leben müssen wir so manche Herausforderung akzeptieren.
Das fühlt sich nicht gut an und wir denken,
wir stehen vor einem viel zu großen Berg.

Weil es sich so anfühlt, als ob wir damit ganz allein sind.
Du bist nicht allein:
Ich bin da, dein Engel ist da und so viele Helfer.

Das ist wirklich so!
Du hast Tanja was gesagt, da hast du dich selbst gewundert,
woher dir das gekommen ist…

So ist es aber, wenn ein Mensch ein offenes Herz hat:
Dann spricht ein bisschen der Himmel durch ihn.

Das ist doch schön, oder?

Verstorbenenkontakt

Ich bitte meinen Guide, mich mit Hermine zu verbinden.
Ihre Tochter Sabine hat ihr einen Brief geschrieben.

Hermine kommt sehr hübsch gekleidet herein: Hose, Bluse, Jacke, Schuhe alles farblich aufeinander abgestimmt.
Nur im Haar steckt etwas…

Als ich das schreibe, fasst sie sich dorthin und zieht eine schmale Föhnbürste heraus und lacht…

Hermine: Ne, perfekt war ich nicht, gar nicht wahr!

Uta: Manchmal schusselig?

Hermine: Ah ja! Hat sie vergessen.
Och, meine Süße, wie kannst du das vergessen.
Du, wenn ich da wäre, dann würde ich sagen, komm wir essen mal ein Eis und dann reden wir…
Ich war nicht die perfekte Mutter, ich war in gar nichts perfekt.
Du erinnerst dich nur nicht mehr. Hm?
Aber ich versteh dich: Ich WOLLTE alles ganz, ganz richtig machen.
Das hast du von mir gelernt. Aber das ist doch blöd!
Schafft doch keiner, wir sind doch nur Menschen!
So! Jetzt will ich dir mal was sagen, so wie ich das heute sehe.
Du und ich wir zwei wir waren immer ganz eng, das ist schön und daran ändert sich auch nichts.
Aber ich habe auch Fehler gemacht, auch als Mutter.
Ich wollte wirklich eine ganz gute Mutter sein, ja, ja ich weiß schon jetzt sagst du: Warst du doch!

Und darüber müssen wir jetzt mal reden: Ne, war ich eben nicht!
Ich war so streng zu mir, das glaubst du gar nicht.
Ich konnte von morgens früh bis abends spät nie richtig entspannen.
In meinen Gedanken habe ich mich so viel kritisiert, nicht war mir richtig genug!

Mal habe ich mich über meine Haare aufgeregt, mal über meine Haut, dann wurde ich mir zu dick.
Manchmal dachte ich, dass ich nicht richtig fühlen kann, dann dachte ich, dass ich was Wichtiges übersehe und euch Schaden zufüge.
Du glaubst ja gar nicht, was da in meinen Kopf los war.
Ja nach außen, da konnte ich die „Lady“ sein…
So eine kleine Lady Di, du weißt schon.
Aber wie es innen aussah, das habe ich nicht erzählt.

Ich war nicht selbstsicher, nie! Aber das sollte doch keiner merken!
Wenn ich gewusst hätte, dass du das in deinem Inneren mitkriegst, diese Selbstunsicherheit, dann hätte ich gestaunt.
Du bist meine ganze Liebe (dein Bruder auch, klar).
Aber ich weiß, dass ich was ganz falsch gemacht habe: Ich habe dir nicht rechtzeitig gesagt, wieviel Angst ich davor hatte Fehler, zu machen und wie schwer es mir gefallen ist, mich einfach so, wie ich bin, lieb zu haben.

Uta: Unangestrengt?

Hermine: Genau! Ich konnte mich nicht nehmen, wie ich bin, und das habe ich an dich weitergereicht.
Mensch, das hört mir aber auf!

Für dich war ich immer wunderschön… ich weiß.
Aber du: Ich habe das nie geglaubt!
Wenn ich mich angesehen habe, dann habe ich nur das gesehen, was nicht schön war.
Das ist nur ein Bespiel.
Wenn ich mal was falsch gemacht habe, dann war mir das so peinlich, dass ich mich Jahre später daran erinnert habe.

Ich will, dass du das endlich weißt: Deine Mutter war gar nicht so stark!

Und? Hast du mich jetzt noch lieb? Na klar! (Lächelt)

Guck mal, du hast aus einer „jungen Frau“ deine Mama gemacht.
Das ist toll und das hat mich glücklich gemacht.
Aber ich habe immer im Kopf die Angst gehabt, IRGENDWAS falsch zu machen.
Bis zum Schluss war das so, stell dir das mal vor.

So, und jetzt reden wir über dich als Mama!
Hör mir gut zu: Alle Mütter machen was falsch.
Nicht nur Kleinigkeiten, ne, die machen alle richtigen Fehler.
Weil wir nur Menschen sind! Darum!

Und die Kinder, die uns geschenkt werden, was wird aus denen?
Na, auch nur Menschen. Mehr ist einfach nicht drin.

Heute bin ich ganz gelassen damit.
Aber was meinst du denn, wie ich heute mit euch umgehen würde, wenn ich weitergelebt hätte?
Na, Sorgen hätte ich mir gemacht!

So viele Sorgen!
Sorgen habe ich mir ständig gemacht, genau wie du!
Siehste und DAS ist auch ein menschlicher Fehler: sich zu viel Sorgen zu machen.

Kinder spüren das, da brauchst du gar nichts sagen.
Die fühlen, dass ihre Mutter unsicher ist und sich sorgt, was aus ihnen mal wird, weil sie dies oder das nicht perfekt können.
So hat das meine Mutter mit mir gemacht, so habe ich es mit dir gemacht, so machst du es mit deinen Kindern:
Es ist, als ob wir eine Art Gesetz in uns haben, das sagt:
Vertraue nicht darauf, dass deine Kinder sich gut entwickeln!
Regele ihre Fehler!

Ach ja, kann man gar nicht!
Wir können doch nicht wegmachen, was zu ihnen gehört!
Wir sind doch nicht allmächtig!
Du und ich, wir sind nur Menschen, auch wenn wir Mütter sind.
Und unsere Kinder sind auch nur Menschen und mehr müssen sie auch gar nicht werden. (Lächelt.)
Eine Mutter liebt ihre Kinder nicht dafür, was sie sein sollten, sondern so, wie sie sind.
Das ist wichtig und das habe ich gemacht und machst du!
Versteh doch: Das ist das wichtigste Geschenk für deine beiden Süßen, dass du sie so liebst, wie sie sind.

Mein Schatz, du machst dich selbst fertig, wenn du nicht siehst, dass du schon die beste Mutter bist, die deine Zwei kriegen konnten.
Es gab gar keine Bessere, sonst wären die bei der geboren.
Die sind zu dir gekommen, weil sogar deine Fehler genau das Richtige sind, um zu werden, wer sie sein sollen.
Über sowas wird ja nirgendwo geredet.

Als ich schwanger war, habe ich mir die Zeitschrift „Eltern“ gekauft und jede Ausgabe verschlungen.
Was da alles drin stand!
Je mehr Ratgeber ich gelesen habe, um so unsicherer bin ich geworden.
Ich habe richtig Angst gekriegt, wie ich das schaffen soll, eine gute Mutter zu sein!
Immer freundlich, immer ausgeglichen, alles richtig deuten, na ja…

Und ihr habt es noch schwerer: Ihr macht euch auch noch gegenseitig verrückt.
Dabei ist es so einfach: Solange ihr euren Kindern die Sicherheit gebt, dass ihr sie liebhabt, ist alles gut.
Klar kann eine Mutter nicht immer lieb sein, das hat aber nichts damit zu tun, ob sie ihr Kind liebhat oder nicht.

Guck mal, hast du mir meine „Ausraster“ verziehen?
Hast du, du hast die sogar fast vergessen.
Warum?
Weil du immer gespürt hast: Meine Mama hat mich lieb!

Ganz ehrlich: Ein Kind liebt auch noch die durchgeknalltesten Eltern, wenn es nur von denen geliebt wird.

Du wirst nie verhindern können, dass du Fehler machst.
Aber es gibt nur einen wirklich schlimmen Fehler: sein Kind nicht lieb zu haben.

Ja! Also dann können wir jetzt den Brief beantworten!

Uta: Gern.

Sabine schreibt: Hallo Mama,
eigentlich wollte ich bereits im Mai Kontakt zu Dir aufnehmen.
Leider ist dann mein Schwager plötzlich gestorben und ich habe mich sehr auf Tanja konzentriert, um sie – so gut es geht – zu unterstützen.
Die Sache hat mich auch wieder etwas zurück gerissen und ich hätte Dich sehr gebraucht.

Hermine: Ich weiß, das tut mir leid.
Aber du: Guck mal, du hast das doch gut gemacht.
Es geht ja nun mal nicht anders: Im Leben müssen wir so manche Herausforderung akzeptieren.
Das fühlt sich nicht gut an und wir denken, wir stehen vor einem viel zu großen Berg.
Weil es sich so anfühlt, als ob wir damit ganz allein sind.
Du bist nicht allein, ich bin da, dein Engel ist da und so viele Helfer.
Das ist wirklich so!
Du hast Tanja was gesagt, da hast du dich selbst gewundert, woher dir das gekommen ist…
So ist es aber, wenn ein Mensch ein offenes Herz hat: Dann spricht ein bisschen der Himmel durch ihn.
Das ist doch schön, oder?

Sabine: Insgesamt geht es mir – glaube ich – ganz gut.

Hermine lächelt: Das ist wirklich wahr.
Wenn du mal alt bist, wirst du an diese Zeit zurückdenken und sagen: Das war so eine schöne Zeit, als die Kinder noch klein waren…
Ich kenne das!

Sabine: Deine beiden Enkel hatten mich sehr auf Trabi.
Lena ist fünf und wird nach dem Sommer eingeschult.

Hermine: Ach, ich weiß schon: Du bist ein bisschen traurig, weil ich nicht dabei sein kann.
Ich bin dabei, ganz, ganz, ganz sicher!

Sabine: Sie ist ein richtiges Mädchen mit allem Drum und Dran. Sie liebt Kleider und schminkt sich zu Hause usw.

Hermine: Und das ist sooooooooo süß!

Sabine: Leider ist sie auch extrem willensstark und ziemlich aufbrausend.
Oft so sehr, dass ich absolut die Nerven verlieren und ganz oft sehr laut werde und sie auch schon mal einen Klaps auf den Po bekommen hat.

Hermine: Na ja, dass sie so ist, ist aber wichtig für ihr ganzes Leben!
Sie braucht diese Willensstärke einfach.
Du, das ist kein Fehler, wenn du ihr beibringst, dass ihre Wut die Wut anderer MACHT!
Und dass es NICHT schön ist, wenn andere wütend auf sie sind.
Sie muss doch spüren, dass das mit der Wut und den Ausrastern Grenzen haben muss.

Aber du hast Angst, nicht?
Du hast Angst, dass du was kaputt machst dadurch.
Hast du sie denn trotzdem lieb? Na klar! sicher doch!

Sabine, so hilflos wie du habe ich mich auch manchmal gefühlt.
Und das, was ich dann getan habe, war auch nicht pädagogisch wertvoll…

Sabine: Wenn ich so ganz arg mit ihr brüllte, denke ich immer daran, dass Du mal gesagt hast, dass Du unbeherrschte Menschen nicht magst und schäme mich in Grund und Boden.

Hermine: Ja, ja, was ich so alles gesagt habe!
Du, da ist aber viel bei mir passiert: Ich weiß heute, dass jeder Mensch ein anderes Temperament hat.

Ich finde immer noch, dass es gut ist, wenn ein Mensch sich rücksichtlos benimmt.
Aber dein Temperament und ihr Temperament, das habt ihr Zwei euch doch nicht ausgesucht. Das gehört eben zu euch.
Weißt du was?
Wenn sie überdreht und du merkst, dass du jetzt gar nicht mehr weißt, wie du damit fertig werden kannst, dann lasse sie stehen.
Tür zu und aus!
Wenn sie in die Schule kommt, dann wird sie für so ein Verhalten auch gestraft.
Sag mal, wie wäre es denn, wenn du ein Belohnungssystem machst?
Für jeden Tag ohne Ausraster gibt’s ein Sternchen und für 7 Sternchen gibt’s irgendwas Schönes?
Ich sehe das schon: Ihr Zwei könnt euch gegenseitig hochschaukeln. Das passiert euch einfach.
Aber vielleicht, wenn es so ein Sternchensystem gibt, wird es etwas besser?
Na ja, und das mit dem sich schämen, das hört mir auf!
Ja?

Sabine: Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass ich manchmal fast verzweifelte.

Hermine: Nicht nur fast… ich weiß.
Sabine, du bist nicht für alles verantwortlich!
Für das Temperament deiner Kinder kannst du gar nichts und für deines auch nicht.
Du fühlst dich so hilflos.
Aber du machst das doch schon so gut es geht, mehr ist einfach nicht möglich.
Sei doch nicht so hart zu dir!

Sabine: Dennoch ist sie sehr süß, bildschön, schlau und raffiniert. Du würdest sie lieben.
Wir lieben sie sehr. Sie schafft es nämlich, jeden um den Finger zu wickeln.

Hermine: Ganz die Mama! (Lächelt.)

Sabine: Andreas ist – wie er nie müde wird, zu sagen – mein Süßmann.

Hermine: Also das ist wahr! Da hat er sooooooooooo recht! (Lächelt.)

Sabine: Er ist ein ganz süßer Mann, mittlerweile drei Jahre alt und groß gewachsen.
Er liebt Dinos und lebt das Thema richtig aus, manchmal zum Leidwesen der anderen und Lena. Aber wir unterstützen ihn dabei.

Hermine: Na ja, großer Süßmann und große Tiere, das passt doch gut!

Sabine: Im Gegensatz zu Lena nimmt er nicht ganz so leicht Kontakt zu anderen auf und hat daher im Kindergarten noch keine echten Freundschaften geschlossen.

Hermine: Sowas kommt von selbst oder auch nicht.
Vergiss nicht, mein Schatz: Sie sind zwar eure Kinder und haben viel von euch geerbt.
Aber sie waren doch auch vorher schon ganz fertige Seelen, haben schon viel erlebt.
Es ist niemals die Aufgabe der Eltern, ihre Kinder anders zu machen, als sie in ihrem Wesen sind.
Sondern sie so lieb zu haben, wie sie sind.
Mach keinen Druck, er wird seine Art finden, mit anderen umzugehen.

Sabine: Aber das wird noch kommen. Was er nicht mag, sind viele Menschen auf einmal. Das besagt ihm nicht wirklich.

Hermine: Andreas nimmt mit seinem ganzes Selbst wahr.
Das heißt: Er nimmt viel, viel mehr wahr als ihr.
Je mehr Betrieb um ihn ist, umso mehr muss er verkraften, daran wird sich so schnell nichts ändern.
Ihr könnt ihm Menschenmengen nicht ersparen!
Aber vielleicht hilft es dir, ihn zu verstehen, wenn ich dir das sage?
Er wird immer Rückzug brauchen, habe das im Blick, dann ist es gut.

Sabine: Ansonsten ist er ein schlaues Kerlchen und wir werden ihm gegenüber leider ziemlich schnell weich, weil er einen sehr stark ausgeprägten Charme und Witz besitzt.
Manchmal ist Lena hier etwas eifersüchtig, wobei sie mit drei die gleiche Aufmerksamkeit bekommen hat.

Hermine: Och, Lena-Mäuschen macht das doch ganz gut!
Alle Geschwister sind mal eifersüchtig. Das ist doch normal.
Ich bin ganz stolz auf sie, weil sie ihren Bruder trotzdem liebhat.
Das ist doch die Hauptsache.

Sabine: Ich arbeite inzwischen wieder zur 50% und versuche, parallel noch etwas dazu zu verdienen.

Hermine: Das ist auch richtig so.
Ist nur schade, dass du dadurch so viele Baustellen hast.
Aber es wird immer einfacher, du wirst sehen.
Die nächsten 3 Jahre sind noch anstrengend, aber dann wird es immer einfacher.

Aber so hin und wieder eine kleine Erholung ist doch gut. Nicht nur Mama sein, auch Sabine sein, und wenn es nur ein paar Stunden sind…

Sabine: Mit den Kindern rede ich oft über Dich.
Auch wenn Papas Inge eine ganz gute Ersatzoma ist, reden die Kinder von Dir als ihrer richtigen Oma.

Hermine: Na ja, du, das ist aber eben auch so, weil du nicht willst, dass sie das anders sehen.
Ich glaube, die Inge hält das aus.

Sabine: Lena muss ich dann immer vorsingen „Ach, ich hab sie ja nur auf die Schulter geküsst“.

Inge bevorzugt auch Lena ganz klar, ist zu Andreas oft eher kühl, was Dir nie passiert wäre.

Hermine: Nein, wäre mir nicht passiert. Aber das gibt es auch bei natürlichen Großeltern. Erinnerst du dich nicht?

Sabine: Ach, ich vermisse Dich so!
Lange wusste ich nicht, was ich Dir sagen soll, da die paar Zeilen zu kostbar sind, um sie zu vergeuden…
Ich würde gerne mehr von Dir träumen oder Dich spüren aber irgendwie stellt sich das nicht ein.

Hermine: Gerne würde ich mit dir ein Wellnesswochenende machen…
Ja, Sabine, das ist Schmerz bei dir wie bei mir.
Aber zurzeit wäre es gar kein Trost, wenn du mich spürst oder von mir träumst, es würde einfach zu weh tun.

Du hast das Gefühl, dass du mich brauchst, weil du so unsicher mit dir bist und auch so streng, wie ich mit mir gewesen bin.
Immer alles im Griff…
Das dachtest du so, wäre ich jetzt an deiner Seite: Die Stütze, die dich hält…
Aber weißt du was? Das stimmt ein bisschen und das stimmt auch ein bisschen gar nicht.

Wenn ich noch lebe würde, dann müsste ich jetzt damit zurechtkommen, alt zu werden.
Dann würde ich damit zurechtkommen müssen, dass ich noch mehr an mir auszusetzen habe als noch vor Jahren.
Jedes Jahr ein bisschen mehr.
Und dann hätte ich damit zu tun, meine Angst vor Hilflosigkeit und Abhängigkeit zu meistern.
Nicht für kurze Zeit!
Sondern Jahr für Jahr hätte ich mehr und mehr damit zu kämpfen.
Guck mal, Schatz, ich wäre gar nicht mehr so, wie ich war.
Erinnerst du dich?
Ich habe immer versucht, die Kontrolle über alles zu behalten: mein Aussehen, mein Körper, Job, Haushalt, Beziehung, ihr…
Und wenn ich jetzt noch leben würde, dann wüsste ich, dass ich abbaue, langsam aber sicher.
Glaub mir: Ich wäre dir nicht immer eine Stütze, ich wäre dir mehr und mehr NOCH EINE Aufgabe!
Und das würden wir beide spüren.
Na, und was Willensstärke angeht: Ich sag ja mal Dickköpfigkeit, da sind wir zwei doch wie unsere Süße. So leicht geben wir beide nicht nach.
Ich müsste aber, weil meine Kräfte nachlassen.
Verstehst du, was ich dir da gerade sage?
Wir hätten keine einfache Zeit vor uns.
Das klingt jetzt so herzlos, aber glaub mir: Für mich war es die beste Zeit, in dem Alter zu sterben.
Und für unsere Liebe war es das auch. Wirklich!

Sabine: Das Gefühl Deines regelmäßigen Herzschlages, wenn ich Dich im Arm gehalten habe oder Du mich getröstet hast. Jeden Tag möchte ich Dich anrufen oder Deinen Rat, wenn ich wieder die Fassung verloren habe.
Für alle anderen zählen nur die Kinder.
Du würdest auch meine Gefühle dabei berücksichtigen.
Das fehlt mir so unendlich.

Hermine: Ja, Sabine: Für alle anderen zählt nur, dass du Mutter bist.
Du (seufzt), noch so was, was ich dir beigebracht habe und was falsch war: Ich habe dir vorgelebt, NIEMALS zu jammern!
Sabine, niemand kann in deinen Kopf sehen!
Und was du nicht beklagst, das kann einfach keiner spüren.

Meinst du nicht, dass es mal Zeit wird, mit deinem Mann darüber zu reden, dass ihr doch mehr braucht, als nur die Eltern eurer Kinder zu sein?
Dass du dich danach sehnst, seine Frau zu sein und er dein Mann?

Ehrlich, das ist nicht gut, wenn ihr Zwei euch verliert, weil die Kinder über alles gehen.

Gut ist, wenn ihr beide – eure Beziehung – das Wichtigste ist und erst dann die Kinder kommen. Weil euch das die Kraft gibt, die ihr braucht.

Ist schon klar: Du sehnst dich nach meiner Liebe.
Aber meinst du nicht, dass du damit, dass ich nicht mehr unter euch bin, viel besser fertig wirst, wenn du seine wieder erlebst?
WENN ich noch leben würde, würde ich das vielleicht nicht so sehen.

Zuerst die Kinder: So habe ich das gelernt, aber es ist so falsch!
Die Kinder werden dadurch wichtiger, als es gut für ihre Entwicklung ist. Na ja…
Musst du sehen, ob dir mein Rat etwas nützt?

Sabine: Dein Sohn lebt in einem eigenartigen Konstrukt aus Beziehung, seinem Sohn und einer geheimen Liebschaft. Er kommt klar, sieht jedoch in seinem Egoismus nicht, was er mit den Menschen macht.

Hermine lächelnd: Und weil er mein Kind ist, liebe ich ihn, wie er ist und nicht, wie er sein sollte.
Und weil du mein Kind bist, liebe ich dich, wie du bist und nicht wie du sein solltest.
Und weil Lena dein Kind ist, liebst du sie, wie sie ist…
Und weil Andreas dein Kind ist, liebst du ihn, wie er ist…
DAS, mein Schatz, hört nie, nie auf…
Und warum?
Weil wir zwei mütterliche Mütter sind.
Irgendwann wird Lena Mutter sein und sie wird ihre Kinder genauso lieben.

Sabine: Bitte sage mir, wie es Dir geht?

Hermine: Och du, gut natürlich!

Sabine: Hast Du eine Aufgabe, da wo Du bist?

Hermine: Aufgabe? Nein, das kann ich so nicht sagen.
Ich beschäftige mich viel mit Lernen.
Ist es nicht ein Wunder, dass die Natur nicht nur zweckmäßig ist, sondern auch noch schön?
Also das, was dahintersteckt, zu lernen, das hat mir so viel Freude gemacht!

Bei mir geht es viel darum, dass ich wieder ganz voller Freude sein kann und dass ich lerne, mich so lieb zu haben, wie ich bin und nicht dauernd Bedingungen an mich selbst zu stellen.

Ja, und dass wir, wenn wir leben, nicht alles allein hinkriegen KÖNNEN. Dass es Gottes Kraft gibt, dass es einen Entwicklungsweg gibt, den wir nicht kennen, solange wir leben, aber dass den Weg zu gehen, gut ist und leicht.
Ich wusste das nicht!

Ich habe die ganze Last der Verantwortung für alles, was ich tue und lasse und bin und nicht bin, auf meinen Schultern getragen.
Jetzt weiß ich: Das soll so nicht sein.
Ich habe verstanden, dass wir sowas wie Mitarbeiter der Schöpfung sind.
Aber nie der Boss!
Das hat mir so geholfen, leichter zu werden und glücklicher.
Diese ewige Angst, zu versagen, hat endgültig aufgehört.
Ich fürchte: Aufgaben zu haben, wäre da keine gute Idee.
Das Leben geschehen lassen…
Vertrauen haben, dass es etwas gibt, das hilft, wo ich versage…
Ja, doch: Das ist – wenn du so willst – meine derzeitige Aufgabe.

Sabine: Vermisst Du uns, bzw. schaust Du ab und zu nach uns?

Hermine: Natürlich schau ich nach euch.
Vermissen, nein, nicht in dergleichen Weise wie du mich.
Das ist anders hier.
Aber da ist eine Traurigkeit, dass es so sein musste, wie es war.
Ich verstehe die Zusammenhänge, aber ich würde mir sehr wünschen, dass ich nicht noch einmal so früh gehen muss.

Sabine: Ich möchte, dass Du weißt, dass ich täglich an Dich denke und es manchmal fast nicht ohne Dich aushalten kann.

Hermine: Hm, hm…
Du solltest vielleicht wissen, dass ich das weiß.
Wann immer du an mich denkst, klingelt bei mir sozusagen das Handy…
Aber, hm… wie sage ich dir das jetzt?
Sabine, guck mal, das können jetzt Jahre sein, die unwiederbringlich sind: so schön, so nah beieinander…
Das wird nie wieder so sein!
Die Kinder werden mit jedem Jahr mehr ihren eigenen Weg gehen…
Sabine, es ist wunderschön, dass du mich so liebhast.
Aber du bist im Kopf zu sehr in der Vergangenheit!
Mich vermissen bedeutet, dass du dich in die Vergangenheit zurückwünschst.
Dadurch bist du aber zu schnell einfach „nicht da“!
Wer soll dich da erreichen?
Dieter nicht, die Kinder nicht…
Dann bist du sozusagen weg.

Sabine: Dieter und die Kinder sind jedoch mein Halt und ich liebe sie sehr.

Hermine: Hm, hm…
Sie sollten nicht dein „Halt“ sein, sondern dein Glück!

Jedes Lebensalter hat sein Glück!
Ich war deins in der Kindheit.
Jetzt ist dieses Glück, das ich dir war, ein Teil von dir und deinen Erinnerungen.
Aber deine Gegenwart ist das WICHTIGSTE, was es gibt!

Sich danach sehnen, wieder ein behütetes Kind sein zu dürfen, ist ganz in Ordnung, versteh mich nicht falsch.

Aber was wirklich nicht sein darf, ist, wenn du mich so sehr im Herzen hältst, dass dein Mann und deine Kinder erst nach mir in der Rangfolge kommen.

Bitte, bitte – und du weißt, ich bitte nicht gerne, mein Schatz – aber versuche, dahinter zu kommen, wieso das so in deiner Gefühlswelt ist.

Du kannst ja nichts dafür, es ist ja auch nichts Böses daran, aber richtig ist es nicht.
Du verlierst Kraft, die du brauchst, um dein Leben als erwachsene Frau auszukosten.

Ich bin früh gestorben, auch weil ich Angst hatte, alt zu werden, nicht nur, aber auch…
Das war FALSCH, FALSCH, FALSCH…

Es hätte so schön werden können.
Ich alt neben dir und die Rollen vertauscht: Du hättest mich behütet und ich hätte erleben dürfen, dass ich geliebt werde, ohne Leistung bringen zu können.
Was mich angeht: Ich freue mich darauf, im nächsten Leben eine Alte sein zu dürfen, was für ein Abenteuer das wird!

Und du mein Schatz?
Freust du dich nicht doch, dass du jetzt die Erwachsene bist?
Bist du denn gar nicht stolz darauf, wie sehr du an Stärke zugenommen hast?
Ach, ja… auch das ist eine Wirkung meiner Art, mit euch umzugehen. Ich habe dir nicht geholfen, OHNE mich glücklich sein zu dürfen.
Alles zu verbessern, ist eine Hilfe.
Aber es ist auch so, dass darin eine Botschaft verborgen liegt und die ist nicht richtig: Du schaffst es nie ohne mich!
Was immer du machst: Ich hätte es irgendwie besser hingekriegt.

Da siehst du, was die „perfekte Mutter“ anrichten kann, ganz ohne dass sie das jemals gewollt hätte.
Und jetzt stehe ich da und bitte dich: Glaube mir sowas nicht!
Du kannst auf jeden Fall ohne mich sehr, sehr glücklich sein und du musst auf gar keinen Fall alles ganz alleine schaffen.

Weißt du, was ich im Leben verloren habe?
Ich habe das Bitten verloren: das um Hilfe bitten.
Ich habe mich geschämt, wenn ich das musste.
Das Resultat davon war Angst, zu versagen.
Mach es mir nicht nach.

Ich hoffe, Dir geht es gut, liebe Mommy…
In unendlicher Liebe
Deine Sabine

Hermine: Und ich wünsche mir so, dass es dir besser und besser geht auch ohne mich!
Das heißt jetzt nicht: Bitte denk nicht mehr an mich.
Oder: Bitte nimm keinen Kontakt mehr mit mir auf.
Aber ich möchte dir Mut machen.
Du bist jetzt WIRKLICH in Augenhöhe mit mir.
Unsere Gespräche sind jetzt von Frau zu Frau und Mutter zu Mutter.
Du bist jetzt wirklich „schon groß“.

Andere treten an meine Stelle…
Ja, ich weiß: Ersetzen kann mich keiner.

Aber Liebe ist Liebe und die von mir zu dir, die wird dadurch kein bisschen kleiner, Schatz!

Ich liebe dich immer und immer und immer…
Du merkst sicher: Ich habe mich ein bisschen verändert.
Das liegt daran, dass ich viel freier geworden bin und so viel lernen durfte.
Hoffentlich nimmst du an, was ich dir sage, auch wenn es nicht nach deiner Mommy klingt.
Aber wir entwickeln uns, auch wenn wir nicht mehr auf Erden sind.
Ist das nicht schön?
Das hört nie auf!
Freier und glücklicher werden wir, das ist das Ziel.
Ich drücke dich, ich bin da, und jetzt rasch ab in deine Gegenwart!
Die IST schön!
Deine Mommy!