Warum braucht Christian so viel Anerkennung?

Warum braucht Christian so viel Anerkennung?

Weil er gar nicht weiß, wer und was er wert ist.
Er weiß so oft nicht mal, was er fühlt,
kann es nicht in Worte bringen, kann es nicht greifen.

Die einzige Art, sich selbst näher zu kommen,
ist die Reaktion der anderen.

Es mach wenig Sinn, ihn zu fragen, was er fühlt.
Aber es macht Sinn, ihm zu sagen, wie du etwas fühlen würdest, wenn du an seiner Stelle wärst.

Das solltet ihr täglich tun!
Das ist das Training, das er braucht.

 

Ich bitte Elia, mich mit dem Guide von Christian zu verbinden.

Er und seine Mutter Esther bitten um diesen Kontakt.

Ein junger Mann kommt zu mir.
Er trägt am Oberkörper Eishockey-Kleidung, den Helm hat er unter dem Arm.
Er hat ein rundes, freundliches Gesicht, braunes Haar, braune Augen.
Er wirkt sehr, sehr groß und stark auf mich.

U: Bist du Christian Guide?

G: Ja, ich denke, der Christian kann jetzt einen Kinder Guide mehr gebrauchen.
Deshalb bin ich so gekommen, wie du mich jetzt siehst: Ein starker, junger Mann, weil ich stark bin.
Und das soll Christian wissen.

Ich denke, wir reden hier nicht lange rum.
Der Christian, der will gleich Hilfe und so lange Geschichten sind nichts für ihn.
Esther, mit dir rede ich später.

Okay, Christian, ich will nicht, dass ihr Tschech zu mir sagt, das war ein Irrtum. Erwachsene irren sich ja auch.
Das weißt du doch, Christian.

Ist es okay für dich, wenn du mich Tom nennst?
Thomas eigentlich, aber alle sagen Tom zu mir.

So Christian, pass auf: Ich will, dass du verstehst, was eigentlich los ist mit dir, ja?

Eigentlich ist es total einfach.
Du hast Angst vor deinen Gefühlen!
Immer irgendwie Angst, dass du einen Ausraster kriegst.

Dann fühlst du dich schlecht, wenn diese Angst da ist, richtig?

Hm, Christian, das musst du nicht.

Weißt du, das ist mit dem Wachsen von Kindern so eine Sache.

Mal wachsen die Beine schneller als die Arme oder der Kopf schneller als der Popo (lacht).
Na klar, das ist so.
Aber am Ende ist alles genau gleich erwachsen geworden.

Genauso ist das mit den Gefühlen.

Und mit den Gefühlen gut klar zu kommen.
Das muss auch wachsen und das wächst auch ganz unterschiedlich.

Du kannst zum Beispiel schon ganz gut damit umgehen, anderen zu helfen,
wenn du siehst, dass sie Hilfe brauchen.

Da bist du schon ziemlich erwachsen.

Aber mit der Wut, da klappt das noch nicht so.
Was dich richtig wütend macht, ist, wenn andere einfach nicht verstehen,
dass du es doch richtig machen willst!

Oder überhaupt: Wenn die nicht verstehen, was du sagen wolltest.
Dann entsteht so ein Durcheinander in deinem Kopf, da kannst du nur sauer, sauer, sauer sein.
Stimmt´s?

Ich war genauso!

Glaub mir: Du kriegst das hin.

Deine Wut wird auch erwachsen, ganz bestimmt.

Aber es ist hart jetzt für dich, das ist schon klar.

Weil die anderen einfach anfangen, dich nicht mehr so zu mögen,
wie du es gerne hättest.

Eigentlich möchtest du, dass alle dich mögen und gut finden.

Das ist auch ein Gefühl: Fühlen, dass andere dich mögen,
dir vertrauen und gerne mit dir zusammen sind.

Das ist sogar das schönste Gefühl überhaupt für dich:
Wenn du merkst, dass dich die Anderen gut finden.

Dann findest du dich nämlich auch gut und das ist großartig.
Das ist richtig schön!

Das ist natürlich für jeden Menschen schön!
Egal, ob der ein Kind ist oder Erwachsener:
Jeder Mensch wünscht sich, gemocht zu werden oder gelobt.

Aber bei dir – na ja – da ist das mehr: Du brauchst das zurzeit mehr als irgendwas sonst.

Und wenn du dann merkst, das kriegst du nicht, egal wie sehr du dich auch anstrengst, dann kommt so eine Wut.

Und dann, wenn du mit dir allein bist, dann kommt die Wut auf dich,
weil du es nicht schaffst.

Hm, hm… ich weiß schon.

Christian, weißt du: Das ist okay, zu wollen, dass andere dich gut finden.
So war ich früher auch.

Wenn andere mich gelobt haben, dann habe ich mich auch gern gehabt.
Deshalb habe ich angefangen, Eishockey zu spielen.

Und glaub mir: Ich kann richtig, richtig gut Eishockey spielen.

Und weißt du was?
Ich wurde so viel gelobt, dass es langweilig wurde.
Kannst du dir nicht vorstellen?
Doch! Echt!

War mir ganz egal! Ich sag dir mal warum.
Weil ich kapiert habe, dass es gar nicht darum ging.
Mich hat das Loben der Anderen gar nicht glücklich gemacht, das war Quatsch!

Mich hat glücklich gemacht, wenn ICH mich gut fand!

Ja, genau!

Und darum geht’s bei dir, Christian!
Dass du dich selbst gut findest, das musst du lernen.

Also kein Angeber: Einer, der meint, dass er immer der Beste ist,
obwohl er ein ganz mieser Typ ist.

Ne, so was nicht.

Aber so, dass du dir sagst: Hey, das ist doch toll, was ich kann.
Und klar: Da gibt’s Sachen, die kann ich NIE, NIE.
Das ist auch okay.

Glaubst du nicht?
Na ja, pass auf, Christian: Du wirst nie, nie Ballett tanzen können!

Ist doch okay, brauchst du doch auch nicht!

In der Schule wird das nicht anders sein:
Du wirst Sachen gut können und andere nicht so richtig…

Und? Na und?

Hauptsache, du holst das aus dir raus, was drin ist.

Ist wie beim Eishockey: Ich konnte nie gut sprinten, irgendwie war ich dafür zu langsam.
Anfangs war ich so langsam, dass ich nie dazu kam, den Puck zu erwischen, andere waren immer schneller.
Also hab ich geübt und geübt.
Das hat mich so viel schneller gemacht, dass ich auch mal an den Puck kam,
mehr aber auch nicht.

Die anderen blieben schneller.

Aber weißt du was?
Als mein Trainer mich ins Tor gestellt hat, da war ich super!

Ich war zwar langsamer beim Sprinten als die anderen,
aber ich hatte mehr Mut als die anderen.

Und deswegen wurde ich ein Super Torwart für meine Mannschaft.

Christian, genauso wie eine Eishockey Mannschaft ist es überall,
wo Menschen zusammenkommen.

Der Eine kann das, was der Andere nicht so gut kann.
Und wenn man sich zusammen tut, dann gibt das ein richtig gutes Ergebnis.
Genau so läuft das!

Du bist einer, der viel Kraft hat.
Und du bist einer, der viel Mut hat.
Aber Ballett tanzen kannst du nicht.

Du bist einer, der richtig laut sein kann, aber leise mit „Piep-Piep-Piep“ Stimme reden kannst du nicht.
Na und?

Du bist einer, der Dinge MACHEN kann, aber ein Erfinder bist du nicht.
Na und?

Sei nicht traurig, Christian, weil das so ist, das ist völlig in Ordnung.

Aber die Wut?
Die andere so wütend auf dich macht?
Hm, hm… ja.
Das ist ein Problem, Christian, echt!
Dazu will ich dir auch was sagen.

Du weißt doch von Jesus und seinen Jüngern.

Jesus: Na, der war natürlich toll.
Und seine Jünger, die waren auch toll, alle irgendwie …
Obwohl: Da konnte auch nicht jeder alles, wirklich nicht.

Die meisten waren ziemlich freundliche Menschen, nett und hilfsbereit und so.
Aber es gab da einen, der KONNTE gar nicht IMMER nett sein,
der wurde nämlich leicht wütend.

Ja ha…

Das war der Petrus: Man, konnte der wütend werden, besonders dann,
wenn einer was seinem Jesus tun wollte.

Petrus schämte sich, weil er seine Wut nicht in den Griff kriegte.
Er hat sogar Jesus gebeten, dass er ihn so lieb und sanft machen soll wie den Johannes.

Aber Jesus lächelte nur und sagte: Das geht nicht, Petrus!
Kommt gar nicht in Frage.
Du bist eben so!
Sieh einfach zu, dass du keinem wehtust und verletzt in deiner Wut
und nichts kaputt machst.

Das reicht doch!

Da war Petrus traurig, er wäre so viel lieber ganz, ganz lieb gewesen.

Er dachte: Na, jetzt bin ich sowieso der Letzte hier, ich kann froh sein,
dass Jesus mich nicht wegschickt, ich bin ja so ein A…!

Hm, hm, Petrus dachte echt, dass er gar nichts wert ist.
Seinen Brüdern nicht und Jesus auch nicht.

Er dachte: Die erlauben mir nur, dazu zu gehören, weil sie so nett sind.
Aber nicht, weil sie mich gut finden.

Aber es kam ganz anders!
Als Jesus wusste, dass er bald in den Himmel geht.
Da hat er natürlich alles regeln wollen, was so an Aufgaben auf die Jünger zukommt, wenn er selbst erst mal weg ist.

Vor allem war es Jesus wichtig, festzulegen, wer der Anführer der Jünger sein soll.
Rate mal, wen er da ausgewählt hat!
Petrus!
Ja, tatsächlich ausgerechnet Petrus!

Weißt du, warum?
Weil der MUT hatte, viel, viel mehr Mut als alle anderen.
Klar, der wurde zu schnell zu sehr wütend.
Aber er hatte viel, viel Mut und deshalb wurde er der Chef der Jünger.

Mut und Liebe zu Gott: Beides hatte der Petrus.

Mut hast du auch, Christian.
Mut alleine reicht natürlich noch nicht.
Dein Mut muss gar nicht mehr wachsen.
Aber etwas, das muss erst noch erwachsen werden, Christian.
Das ist dein Gefühl für andere.

Wie es DIR geht mit dem, was passiert, das weißt du.
Aber wie es den anderen geht, das weißt du noch gar nicht so richtig.
Das macht dir Angst, dass du das nicht fühlst.
Stimmts?

Das kommt immer so unerwartet, wenn die dich plötzlich nicht gut finden.
Du weißt so oft nicht, warum eigentlich.

Wie fühlen sich andere?
Das kann man lernen, du auch.
Aber dazu musst du etwas richtig in dein Herz lassen, nämlich:
Dass die anderen auch Gefühle haben.
Egal, ob das Kinder sind oder Erwachsene …

Und die Gefühle, die sie haben, die sind genauso leicht durcheinander zu bringen wie bei dir.

Egal, wo du bist, Christian: Ob in deiner Familie zuhause oder in der Schule oder in irgendeinem Team, ganz egal.
Alle brauchen, was du brauchst: Lob und Anerkennung VON DIR!

Das ist wie ein Zauber, Christian: Du bekommst zurück, was du gibst.
Du gibst Wut, du kriegst die Wut der anderen.
Du gibst Hilfe, du kriegst die Hilfe der anderen.
Du gibst Lob, du kriegst den Lob der anderen.
Sind die anderen dir egal, bist du ihnen egal.

Übe das: das darüber nachdenken, was die anderen brauchen.

Ich sage dir, was dabei rauskommt:
Du wirst anfangen, dich selbst gern zu mögen.

So, mein junger Freund, mehr hab ich da nicht zu sagen.

Du musst nicht anders werden, aber du musst Erwachsener werden.
Denk daran: Die anderen haben auch Gefühle, genau wie du!
Die sind auch unsicher, ob sie gut genug sind, ob sie alles richtig machen.
Ob sie alles schaffen, was sie schaffen sollen.
Ganz genauso wie du.

Menschen, die laut sind und stark und die Ausraster haben, die machen ihnen Angst…
Es sei denn, diese lauten, starken Menschen sind ihre Freunde.

Du kannst nicht ein Freund für alle sein, klar.
Das geht nicht.
Aber freundlich sein und darüber nachdenken, dass du immer zurückkriegst,
was du austeilst, das kannst du.

Ja, na gut.

Jetzt übe das mal.

Das ist noch ziemlich wenig gewachsen, dieses Wut Gefühl.
Da brauchst du Geduld und Übung.

Dass dich deine Mitmenschen so oft falsch verstehen, wird besser werden,
wenn du anfängst, mehr zu erklären, was los ist.

Zuhause läuft das doch meistens gut.
In der Schule gibt es bald für dich einen Neuanfang, also nutze die Gelegenheit.

Aber vor allem, Christian: Fang mal an, darüber nachzudenken, was gut an dir ist!
Und fang mal an, dich gern zu haben.

Deine Ausraster, die musst du nicht gern haben, dein Durcheinander sein auch nicht.

Ich hatte mein Langsam sein auch nicht gern.
Aber das, was du gut kannst, das sollte doch wohl reichen, um dich zu mögen, oder?

Du bist nicht falsch, Christian, du bist ganz okay.
Aber du musst auch nicht in Allem der Beste sein!
Es reicht, wenn du das, was du gut kannst, auch machst.
Und wenn du das, was du nicht gut kannst, so trainierst, dass es irgendwie geht.

Ich höre jetzt auf, Christian, das reicht jetzt.
Mach es gut, Christian.
Mach das, was dir zeigt, dass du OKAY bist.
Hör auf, Sachen zu machen, über die du traurig bist.

Den Rest bespreche ich gleich mit deiner Mama!

Liebe Esther!

Einen kleinen Petrus haben wir da.
Und anscheinend will die ganze Welt stattdessen einen Johannes?

Ich weiß, welche Ängste um seine Zukunft du trägst.
Esther, das tut ihm nicht gut: dein Misstrauen in seine Entwicklung.

Schimpf mit ihm, wenn er das verdient hat.
Bestrafe ihn, wenn er das verdient hat.
Aber misstraue ihm nicht, sein Leben einmal richtig zu leben.

Er kann es lernen!
Aber es kann sein, dass es schwieriger als nötig wird, wenn du von ihm den heiligen Johannes in seiner Zukunft erwartest.
DAS kann er nicht und er spürt das.

Christian ist NICHT! dein „Bruder“!
Und es wird „NICHT“ von dir verlangt, dass du deine Mutter bist.

Hier läuft gerade etwas sehr schief in deinem Unbewussten.
Christian ist Christian und Esther ist Esther.

Die Mutter eines Menschen, der leicht zum Zorn erregbar ist, MUSS eine Mutter sein,
die zornig werden kann.

Hör auf, dir deswegen Vorwürfe zu machen!
Und hör auf, dich zu hinterfragen, ob es richtig war,
deine Kinder stundenweise betreuen zu lassen.

Stimmt schon: Mit der Dame ist in ein bisschen „Größenwahn“ in die Selbstwahrnehmung geraten.
Aber doch nicht zufällig.
Diese Forderung nach Anerkennung, die wird doch gar nicht durch Größenwahn gestillt.

Und das erlebt Christian gerade: Er erlebt, dass das Scheitern auch zum Leben gehört.
Das kannst du deinem Sohn nicht abnehmen!

Entscheidend ist NICHT, dass es dieses Scheitern gibt.
Sondern dass jemand die Kraft hat, wieder aufzustehen, wenn er hingefallen ist.

Diese Kraft, Esther, die gibst du ihm, wenn du genau dabei bleibst, was wahr ist:
Diesen Christian, den liebe ich!

Basta!

Du hast Angst, dass es eine Zeit geben könnte, wo du das nicht mehr kannst,
so wie es mit deinem Bruder war.

Und dass es sich wiederholt.

Mäßige diese Angst, Esther!
Halte jeden Gedanken, der eine negative Zukunftsprognose beinhaltet, von dir fern.
Denn selbst, wenn du die Prognose nicht aussprichst, wirkt sie.

Da ist jetzt schon ein „Mein reparaturbedürftiger Sohn“ in dem, was da so mitschwingt.
Er ist nicht reparaturbedürftig!
Aber er ist stellenweise nicht ausgereift, vor allem emotional.

Ich habe Uta einen Tipp gegeben, um sein Wachstum in dieser Hinsicht zu stärken,
ihr werdet darüber reden.

Jetzt zu deinem Anliegen.
Christian KANN nicht entscheiden, auf welche Schule er geht.
Das ist eure Aufgabe!

Ihr wollt das Bestmögliche für ihn.
Ja: Das Bestmögliche ist das, was Christian JETZT emotional bewältigen kann.

Er braucht Erfolge und ein Quäntchen Herausforderung.
Er braucht feste Regeln, an denen er sich orientieren kann.

Okay, das ist klar.

Es ist nicht meine Aufgabe, dir zu sagen, welches dir richtige Schule ist.
Aber ich möchte dir sagen, dass „DAS BESTE nicht sein BESTES sein kann“.

Wie gesagt: Er braucht Erfolgserlebnisse.
Aber er braucht zum Gedeihen auch keine Komfortzone, in der er sich einfach so treiben lassen darf, weil sowieso kein Interesse an den Kindern da ist.

Also weder ganz hoch hinaus noch gar keine Anforderung.

Christian braucht IMMER – jeden Tag – Zugang zu seinen Wurzeln, einfach,
um auf dem Boden zu bleiben.

Und, liebe Esther, die Schule und der zu erreichende Schulabschluss sind NICHT das Wichtigste in seinem Leben, sondern Selbstvertrauen und Geborgenheit!

Christian kann alles schaffen!
Aber nur dann, wenn er sich gut genug findet und viel, viel unabhängiger von der Anerkennung anderer wird.

Es gibt leider keine Schule, die ihm das gibt.
Das kriegt er bei euch.

Hab ihn einfach gern, den kleinen Krieger.
Er wird kein Lämmchen in der Welt: Das ist ein Löwe!

Wer einen Löwen zu dressieren hat, der muss wachsam sein, aber eines sicher nicht: ängstlich.

Christian ist Christian, Esther ist Esther und das ist gut genug.

Jetzt verabschiede ich mich gleich.
Ich fasse, was deine Bitte angeht bei der Entscheidung für eine Schule,
noch einmal zusammen.

Nehmt ihm die Entscheidung ab, ihr trefft die!
Orientiert euch an der Mitte: nicht zu hoch hinaus, nicht zu tief hinab.
Hab Vertrauen in sein Wachstumspotenzial.
Bleib im Jetzt, hier wiederholt sich GAR NICHTS.

In deinem Unbewussten wiederholt sich der Schmerz deiner Kindheit,
bezogen auf deinen Adoptivbruder.

Und es scheint fast, als würde sich die Frieda da in der gleiche Position wie du in deiner Kindheit befinden.
Beendet das unbedingt!

Was deine Frage danach angeht:

Warum braucht Christian so viel Anerkennung?

Weil er gar nicht weiß, wer / was er wert ist.
Er weiß so oft nicht mal, was er fühlt, kann es nicht in Worte bringen,
kann es nicht greifen.

Die einzige Art, sich selbst näher zu kommen, ist die Reaktion der anderen.

Es mach wenig Sinn, ihn zu fragen, was er fühlt.
Aber es macht Sinn, ihm zu sagen, wie du etwas fühlen würdest,
wenn du an seiner Stelle wärst.

Das solltet ihr täglich tun!
Das ist das Training, das er braucht.

Und Esther: Er muss lernen, sich zu mögen und dazu das Wissen, FÜR WAS er sich mag.
Das könnt ihr auch üben.

Er hat zu lernen, dass er Sachen nicht schafft und manches nie schaffen wird.
Das kann er auch von euch lernen und dass er sich trotzdem mögen kann.

Christian mag sich nicht, verstehst du?
Das ist nicht gut!
Und daran etwas zu ändern, ist wichtiger als irgendetwas sonst.

Er fühlt sich nicht geborgen im Leben!
Deswegen hat er Angst und glaubt, beweisen zu müssen, dass alles OKAY mit ihm ist.

Wenn er respektiert wird, gelobt wird, dann fühlt er diese Angst nicht.
Das Ausmaß an Anerkennungs-Hunger ist viel, viel zu groß.
Er wird sich da raus zu entwickeln haben.

Anerkennung für das, was er gut macht.
Und ein herzliches „Ach, Christian, das wird schon noch“, wenn er es nicht gut macht.

Fortschritte loben: Und seien sie noch so klein.
Rückschritte aufzeigen, aber OHNE Droh-Szenarien!

Seine Angst davor, nicht gut genug zu sein, ist sehr alt!
Aber er ist doch zu dir gekommen in der Erwartung,
dass er aus dieser Selbstverdammung herausfindet.

Ich glaube, Esther: Wir sind auf gutem Weg!

Lass dich NICHT anstecken vom Wahn deiner Mitmenschen,
dass jedes Kind Perfektion abzuliefern hätte.

Jetzt schließe ich.
Nicht ohne dir herzlich zu danken für deine Liebe und Treue zu unserem Christian.

Nur Mut, ihr schafft das, ihr seid doch ein ganz tolles Team!
Gibt ihm im Team einfach einen anderen Platz als dem des „Sorgenkindes“.

Weißt du: Zu deiner Last gehört, dass deine Seele in der Kindheit erlebt hat,
dass „Sorgenkinder“ geliebt werden!

Die Anderen kriegen nicht die Liebe, die sie brauchen.
Hm…

Aber Esther ist Esther und Christian ist Christian und gestern ist vorbei.

Sei herzlich umarmt,
dein Tom.

Oh, um es aufzuklären:

Tschech war und ist kein Schutzengel.

Tschech war eine völlig verwirrte Seele.

Ich ihr erkläre dir, wo sie ist und was mit ihr los ist.

Die war lange verwirrt seit 1945.
Sie hat einen gewaltsamen Tod gehabt, als sie sich daran beteiligte,
Sudeten-Deutsche aus der Heimat zu entfernen.

Kurz ehe er starb, riefen Menschen ängstlich: Der Tschech, der Tschech ist da!

Macht dir keine Sorgen, der ist nicht angehaftet!
Die Seele ist inzwischen im Licht und ich wusste schon, dass ich gemeint bin.

Was ist schon ein Name?

Also, bis dann