Was mache ich mit der Erfahrung der Angst?

Was mache ich mit der Erfahrung der Angst?

Elia: Das ist ein sehr großes Thema.

Zuerst einmal ist wichtig, dass du der Angst erlaubst,
auch zu dir zu gehören.

Nur auch! Nicht füllend, nicht dominierend.

Aber auch.

Du hast sehr viele Gefühle.
Die meisten schönen davon sind ziemlich leise in deinem Bewusstsein.

Die Angst aber, die kann brüllen!

Dennoch ist sie nicht bedeutender als die anderen Gefühle.
Das scheint nur dem Verstand so zu sein.

„Im Leben habt ihr Angst.“

Das ist ein Satz, der nicht von mir kommt.
Den hat einmal Jesus gesagt.

Und er hat gesagt: „Tröstet euch. Die Angst wird überwunden.“

Und das ist wirklich wahr.

Es ist unvermeidlich, im Leben der Angst zu begegnen.

Sie hat eine Million Gesichter, aber es gibt sie.

Und sie kommt und sie geht.

Das ist ihr Wesen: Kommen und Gehen.

Wer das aber nicht versteht, der hält sie fest. Dann geht sie nicht.

Der füttert sie ununterbrochen, wenn es sein muss,
mit immer mehr und mehr und mehr Gründen, warum sie zu bleiben hat.

Das geht so nicht!

Ihr Wesen ist, zu kommen und zu gehen!

Elia

 

Elia: Guten Abend, liebe Freude.

Hajo & Andrea: Guten Abend, Elia.

Elia: Es ist Herbst und doch nicht.

Es ist dunkel und doch ist Licht da.

Du lebst und doch spürst du, dass dein Leben auch ein Ende haben wird.

Als wäre dir das nicht klar! Ja, so lange es Juli00:30? ist, nicht wahr? Solange es Juli ist, ist es gut.

Du hast wichtige Fragen an diesem Wochenende. Es geht in die Tiefe.

Hast du Angst vor der Tiefe? Das brauchst du nicht.

Die Tiefe ist sehr schön, die du hast. Sie ist dein Zuhause. Dort bist du.

Dort findest du dein „Ich-Bins. Ich, die einzigartige Andrea“.

Ja. Das ist schön. Und doch scheuen die Menschen nichts so sehr, wie in die Tiefe zu gehen.

Fangen wir mit diesem Abend an und gehen ein bisschen in die Tiefe.

Etwas über die Fragen hinaus, etwas über die Antworten hinaus, die dir der eine oder andere geben kann.

Stell deine erste Frage.

Andrea: Ob mein Opa, der in England in Gefangenschaft war, mir etwas mitteilen möchte.

Elia: Oh, der möchte immer das gleiche mitteilen. Er hat dich sehr lieb.

Er hat dich sehr lieb! Und etwas Wichtigeres kann er nicht sagen.

Aber hofft etwas: Dass deine Antwort darauf ist: „Und ich mich auch!“

Ja?

Andrea: Ja.

Elia: Darum geht es, Andrea, darum geht’s.
Keine Sorge, es ist ganz ungefährlich. Ja?

Andrea: Ja.

Elia: Ja. Deine nächste Frage.

Andrea: Wieso habe ich diese Probleme mit meinem Knie?

Elia: Das erstaunliche ist nicht, dass du sie hast, sondern dass du sie jetzt erst hast. Denn einen kleinen Schaden hat dein Knie natürlich erlitten. Das weißt du.

Andrea: Ja.

Elia: Aber wieso jetzt?

So absurd es klingt: Weil du anfängst, dein Leben zu lieben.
Weil du anfängst zu begreifen, dass du ein Recht darauf hast, ein für dich gutes Leben zu leben.

Ist das nicht so? Nein, überhaupt nicht.

Vielen Menschen geht es so: Sie beginnen, wieder mit dem Herzen und dem Verstand gemeinsam ihr Leben zu betrachten.

Daraus entwickelt sich etwas: Es entwickelt sich einzigartige Beurteilung dessen, was ist.

Einzigartig bedeutet: Da stimmt vielleicht niemand zu.
Das stößt vielleicht auf Unverständnis um einen herum, aber auch in einem selbst.

Man beginnt, sich seiner Einzigartigkeit bewusst zu werden und man spürt immer dann: Wenn so ein bisschen Einzigartigkeit auch lebendig wird, dann fühlt sich das großartig an.

Und dann kommt die Angst.
Dann kommen all die alten Ängste, die ihr so lange mit euch tragt.

Viele Menschen haben eine fast abergläubische Einstellung zum Glück.
Sie glauben: Wenn sie glücklich sind, dann muss die Strafe kommen. Die kommt dann oft, einfach weil sie es so sehen.

Sie glauben, wenn sie die Schritte unternehmen, die man ihnen verboten hat – ob in diesem Leben oder in vergangenen – dann muss ja Strafe kommen.

Und häufig kommt gar keine Strafe, sondern die Angst.

Was du also gerade erlebst, das ist so eine Art Initiation.
Es ist ein bisschen so wie das, was die Urvölker mit den heranwachsenden Jugendlichen machen.

Sie sagen: „Geh! Geh und sei der Einzige in der Welt!
Erfahre dein Leben! Geh raus!
Schau, was dir begegnet! Schau, wie du es fühlst!“

Und sie wissen ganz genau: Was die jetzt fühlen, das ist zuerst einmal die Angst.

Angst davor, dem Leben nicht gewachsen zu sein, dem lebendigem Leben.
Angst davor, ganz alleine alles schaffen zu müssen.

Und das erstaunliche ist: Wenn sie durch diese Angst gehen, wenn sie sich der Wildnis stellen, was sie müssen, dann finden sie Gemeinschaften, mit denen nicht zu rechnen war.

Dann erleben sie diese Dinge, die mit der Natur allein nicht zu erklären sind: Sie erleben einen mystischen Weg.

So finden junge Indianer bis heute in manchen Stämmen ihren Namen.
So finden junge Mädchen die Mitte von ihrem Selbst.
Und sie verstehen, dass sie, obwohl sie einzigartig sind – sogar der einzige Mensch weit und breit – ein Teil aller sind.

Das ist eine große Erfahrung, die die Menschen wandelt und erwachsen macht.

Darum geht’s, Andrea. Darum geht’s.

Die Tür ist geöffnet. Das Mädchen, Andrea, ist Vergangenheit.

Du bist über die Schwelle gegangen.

Und jetzt geht es darum, die einzigartige Frau zu sein.

Du wirst nicht sterben. Nein, Nein!

Nur das Mädchen vielleicht.

Schönes wartet da draußen auf dich. Du selbst wartest auf dich!

Einzigartig sein bedeutet nicht einsam sein, sondern seinen Platz finden: den wahren Platz.

Manchmal haben Menschen Angst, zu sterben, weil sie Angst haben, ihren Platz einzunehmen.

Ja, ja, weil sie denken: Das treibt sie von allen anderen Menschen, an denen sie hängen, davon. Das tut es nicht!

Nur von denen, die sie hindern und dann wird das nicht als Schmerz erlebt.

Du kannst nicht stehenbleiben. Das weißt du schon.

Dazu hast du schon ein inneres Ja.

Aber wohin gehst du? Dazu ist noch kein Ja. Nicht einmal ein: wohin dann?

Ich kann dir sagen, wohin du gehst. Willst du es wissen?

Andrea: Ja.

Elia: Zu dir. Das bedeutet nämlich die Reise.

Es ist immer eine Reise zu euch selbst.

Jeder Tag, jedes Jahr bis zum letzten Atemzug ist die Reise zu eurem Selbst.

Und das ist ein wunderbarer Weg.

Er hat nur einen Nachteil: Eine äußerst geringe Sichtweite während des Weges, so ein bisschen wie britischer Nebel früher einmal war.

Was macht man da?

Du kannst dich mühen, soviel du willst, du wirst den Nebel der Zukunft nicht durchdringen.

Also was machst du da? Dein Selbst in jedem Tag finden wollen.

„Wo bin ich jetzt? Was erlebe ich gerade? Was fühle ich wirklich?

Was an diesem Tag ist eigentlich ein Geschenk?

Was würde ich vermissen, wenn ich krank wäre oder sterben würde?

Wen würde ich vermissen?“

Wer klug und weise ist, der lernt, genau so zu leben, als wäre der Tag der letzte.

Das ist Reichtum, wer das kann.

Der ist glücklich, ganz gewiss.

Wer so auf sein Leben schaut, wer nicht in Jahren oder Abschnitten rechnet, wenn er zurück schaut, sondern der wirklich, wirklich beginnt, zu sehen.

All die Geschenke, all die hunderte, tausende Kleinigkeiten, die doch – wenn man ehrlich ist – nicht selbstverständlich sind, der begreift sein Reichtum.

Dazu ist es nötig, sehr ehrlich zu sein!

Das beginnt schon damit, sich ehrlich bewusst zu machen, dass am Anfang eures Lebens ihr erbärmlich hilfsbedürftig wart.

Ihr konntet nichts machen. Ihr wart ausgeliefert im wahrsten Sinn des Wortes.

Und es ist nicht wahr, dass es selbstverständlich ist, dass man gesund geboren wird. Dass die Eltern einen versorgen können, dass jemand da ist, um euch an der Hand zu halten, wenn ihr Laufen lernt.

Dass jemand da ist, der euch Nahrung gibt, wenn ihr hungert.

Das scheint euch selbstverständlich, weil es in eurer Zeit und in eurer Kultur so ist.

Ihr müsst nicht weit schauen, um zu sehen: Nichts ist selbstverständlich, ist ein Glück, ein Geschenk.

Und würdet ihr all eure Inkarnationen sehen, würdet ihr auch diejenigen betrachten, die viel zu früh beendet waren, noch ehe etwas wirklich beginnen konnte.

Um so mehr würdet ihr sehen, wie reich ihr seid.

Es ist aber nicht die Natur des menschlichen Gehirns, auf die Wunder seines Lebens zu schauen.

Die Natur eures Verstandes sieht vor, dass ihr auf die Dinge schaut, die nicht gut gelaufen sind.

Warum?

Ganz einfach: Um ähnliche Situationen vorauszusehen und euch entsprechend darauf einzustellen.

Das ist eine Schutzfunktion des Verstandes.

Wenn du einmal Menschen beobachtest, deren Verstand eingeschränkt ist, dann wirst du feststellen: die leben den Tag.

Ob dass Kleinkinder sind oder Menschen mit einer geistigen Behinderung: Sie leben den Tag und es erfüllt sie.

Sie haben nicht diesen Verstand, der stets vorausschauend wahrnehmen will, woher eine Gefahr kommen könnte.

Er kann es gar nicht.

Du kannst es auch nicht.

Dein Knie gibt Signale, was sagt es?

Es sagt: „Eigentlich habe ich Angst. Ich weiß nicht so richtig, ob ich die nächsten Schritte wagen will.

Will ich wirklich ICH werden?
Es könnte kompliziert werden.
Es war ja oft kompliziert, wenn die wahre Andrea durchgekommen ist.
Andrea weiß es nicht so genau, ob es sein will.“

Und das Gehirn warnt und sagt: „Andrea, Andrea, diese Experimente!
Du weißt doch, wohin dich Experimente geführt haben!“

Nichts weiß das Gehirn im voraus!

Der Weg geht durch die Nebel. Du kannst genauso weit schauen, wie es genug ist.

Und was kannst du da sehen? Oh, so viel! Tatsächlich so viel!

Andrea, überleg doch nur, wie viele Menschen dir inzwischen Vertrauen schenken.

Ist das nicht ungeheuerlich?! Was für eine Entwicklung!

Wo kommt das her?

Na ja, das kommt von einem Experiment!

Und das Experiment heißt: „Ich wage es, mich in andere hineinzuversetzen.

Ich wage es, mir Gedanken darüber zu machen, was der andere braucht.

Das wage ich jetzt wieder!“

Das war eine Entscheidung, die du getroffen hast nach all der Schwere und dem Leid, was du erfahren hast.

Nach einer Ablehnung, die so schrecklich für dich war, dass sie dich fast den Verstand gekostet hat.

Das ist dein Selbst! Das bist du!

Du bist viel, viel, viel mutiger, als dein Verstand glaubt.

Ja?

Dein Knie, sag ihm schöne Grüße!

Du hast es schon verstanden, dass da ein bisschen Angst jetzt ist auf diesem Weg.

Sag ihm, du weißt auch nicht genau, wohin es geht.

Aber jeder Schritt zählt!

Jeder Schritt bringt Gutes, Neues mit.

Einverstanden?

Andrea: Hm. Ja.

Elia: Gut. Deine nächste Frage.

Andrea: Ich habe das Gefühl, meine Venen sind nicht so gut.

Wie kann ich damit umgehen?

Elia: Sag ihnen, sie sind doch dankenswerter Weise jahrzehntelang gut genug gewesen. Findest du nicht?

Andrea: Ja.

Elia: Ja, ja.

Zweierlei: Denke in Dankbarkeit über deine Venen nach. Diese Dankbarkeit ist berechtigt.

Und gib ihnen, was sie brauchen.

Deine Venen brauchen ein Mittelmaß von Belastung: nie zu viel, nie zu wenig!

Im Grunde wären alle Methoden des alten Vaters Kneipp hervorragend für dich.

Ja?

Andrea: Ja.

Elia: Auch eine Versorgung mit Silizium wäre sehr gut für dich.

Aber das ist reine Mechanik.

Viel wichtiger ist, dass du dankbar für deine Venen bist.

Sie sind phantastisch, findest du nicht?!

Sie heilen sich selbst. Ist das nicht großartig?!

Warum tun die das? Weil du noch so viel vorhast.

Deine Venen sind ein Teil von dir, ja. Sie gehören doch zu deinem Selbst.

Auch wenn sie reine Materie sind, auch wenn sie durch die Genetik deiner Vorfahren eine etwas labilere Variante sind: Sie sind ja dein Selbstausdruck.

Also, es ist schon angebracht, sie zu unterstützen.

Und zwar mit einem freundlichen sich Hinwenden, nicht mit einem besorgten.

Stell dir vor, Andrea, du wärest eine Lehrerin in einer Schulklasse.

Und da würden all deine Organe sitzen, unter anderem auch deine Venen.

Nehmen wir mal an, deine Venen wären ein kleines Mädchen mit langen, blonden Zöpfen.

Und du, Lehrerin, du würdest auf dieses kleine Mädchen stets mit besorgtem Blick schauen.

Wie würde dieses Mädchen gedeihen. Hm?

Andrea: Ja. Nicht so gut.

Elia: Nein, nicht so gut.

Sie würde ihr Selbstvertrauen verlieren. Sie würde lernen, ein Problem zu sein. Ja?

Andrea: Ja.

Elia: Gut?

Andrea: Ja.

Elia: Gut. Hast du noch eine Frage?

Andrea: Ja. Was mache ich mit der Erfahrung der Angst?

Elia: Das ist ein sehr großes Thema. Das werde ich heute Abend nicht mehr beantworten.

Ich möchte aber, dass ihr euch morgen dem annähert.
Ich werde Uta die nötigen Impulse geben.

Zuerst einmal ist wichtig, dass du der Angst erlaubst, auch zu dir zu gehören.

Nur auch! Nicht füllend, nicht dominierend.

Aber auch.

Du hast sehr viele Gefühle. Die meisten schönen davon sind ziemlich leise in deinem Bewusstsein.

Die Angst aber, die kann brüllen!

Dennoch ist sie nicht bedeutender als die anderen Gefühle.
Das scheint nur dem Verstand so zu sein.

Im Leben habt ihr Angst.

Das ist ein Satz, der nicht von mir kommt. Den hat einmal Jesus gesagt.

Und er hat gesagt: „Tröstet euch. Die Angst wird überwunden.“

Und das ist wirklich wahr.

Es ist unvermeidlich, im Leben der Angst zu begegnen.

Sie hat eine Million Gesichter, aber es gibt sie.

Und sie kommt und sie geht.

Das ist ihr Wesen: Kommen und Gehen.

Wer das aber nicht versteht, der hält sie fest. Dann geht sie nicht.

Der füttert sie ununterbrochen, wenn es sein muss, mit immer mehr und mehr und mehr Gründen, warum sie zu bleiben hat.

Das geht so nicht!

Ihr Wesen ist, zu kommen und zu gehen!

Und wenn du so einmal auf die letzten Augenblicke der Angst schaust, dann stimmt das doch: Sie kam und ging.

Sie schlug wie das Meer ein paar Wellen und danach hat sich das Meer wieder beruhigt. Ja?

Andrea: Ja.

Elia: Genug für heute.

Schlaf gut, träum was Schönes.

Und noch einmal: Du gehst einfach zu dir.

Das ist wunderschön.

Wunderschön.

Gute Nacht.

Hajo und Andrea: Gute Nacht.